Bücher, schnell gelesen: Teil 1.359

Robert Brack - Der Kommissar von St. Pauli (Ullstein, 2018)
Robert Brack – Der Kommissar von St. Pauli (Ullstein, 2018)

Gelesen: 26.11. – 02.12.2018, netto 450 Seiten

Der dritte Teil der Serie rund um den Kommissar Alfred Weber. Diesmal sind wir in 1981 angekommen und in der ganzen Stadt machen sich die Nazis hinter den Kulissen bereit die bestehende Staatsmacht erst zu destabilisieren um sie dann zu übernehmen.

Der Sozialdemokratische Kommissar ist inzwischen bei der Politischen Polizei und will eigentlich die Rechten im Zaum halten. Von oben allerdings bekommt er immer mehr Signale, das die Kommunisten doch das größere Problem sind.

Und als ihm noch parallelen zwischen äußerst skurrilen Selbstmorden im Umfeld der Hochbahn und Rechten Verbrechen auffallen wird er natürlich bei Seite geschoben.  Am Ende bleibt er zielstrebig am Ball und klärt die Geschichte, schafft es auch seine Beziehung zur nicht standesgemäßen  kommunistischen Wäscherin und ex-Hure zu behalten … nur um auf einen neuen Posten wegbefördert zu werden.

Was das Buch so beängstigend macht ist für mich das subtile Gefühl das exakt die gleichen Mechanismen heute rund um die angebliche Alternative für dieses Land ablaufen: Lärm, Schlechtmachen, Panik, Feindbild und das zerstören jeder Solidarität.

Gutes Buch, klasse Lokalkolorit von „meinem“ St. Pauli und „meinem Altona“ sowie eine tolle politische Geschichte (im Sinne von Geschichte). An die Schulen damit!

Soundtrack dazu: Abwärts – Hallo, ich heiß Adolf, was sonst?

Sing-a-long to Abwärts:

Es ist ein hässlicher tag ohne Sonnenschein
man hört die Stiefel trampeln und die Horden schreien
in den Strassen liegt Nebel und Tränengas
es geht immer für oder gegen was

Im Kopf ist nicht viel in der Hand liegt ein Stein
und alle sind stolz Deutsche zu sein
Da kam aus dem Nichts eine Gestalt auf mich zu
und sagt 'Hallo ich heisse Adolf und wer bist du?'

Es ist ein hässlicher Tag ohne Sonnenschein
man hört die Stiefel trampeln und die Horden schreien
Ich fühle mich schlecht und unendlich allein
da trifft mich am Kopf unvermittelt ein Stein

ich kann noch verschwommen ein paar Gaffer sehn
Die mit feistem Lächeln vor der Kneipe stehn
Jetzt kommt dieser Typ der sich vor mich stellt
und in seinen Händen ein Messer hält

Er zersticht meine Augen es bleibt stecken im Bein
endlich kann auch ich noch ein letztes Mal schrein
und alle sind stolz Deutsche zu sein

And how did it look like in 1931?

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.275

Jo Nesbø - Durst (Ullstein, 2017)
Jo Nesbø – Durst (Ullstein, 2017)

Gelesen: 16. –  21.10.2017, netto 620 Seiten

Nach den verschiedenen Seitenprojekten von Jo Nesbø ist endlich der 11te Harry Hole Roman da … und der geht ohne Startschwierigkeiten sofort in die Spur. Und eins ist über die Jahre klar geworden: Harry Hole ist tatsächlich ein Hardboiled-Cop und seine Fälle werden immer härter.

Diesmal wird er quasi aus dem Ruhestand zurückgeholt und er erkennt schnell, dass sein Gegner etwas ist das er schon kennt. Und das ist böse.

Das großartige an diesem Buch (das am meisten Spass bringt wenn man die anderen 10 Bücher kennt) ist, dass hier echter Polizeiarbeit zugeschaut werden kann: Statistiken helfen, Technik hilft und das der Täter Tinder benutzt um seine Opfer zu finden hilft auch High-Tech. Und, wie das eben so ist, ist eine Auskunft von einem App-Betreiber in den US of A verdammt schwer zu bekommen. Und was hilft noch: Abklappern. Ausschließen. Und kluge Korrelationen herstellen.

Dazu lösen sich noch ein paar lose Fäden aus den vorherigen Büchern auf, so dass es einfach ein fulminantes Comeback ist. Ach ja, blutig ist es auch!

Hast du Band 1-10 der Harry Hole Reihe durch? Dann kaufen. Ansonsten: Zurück auf Anfang!

Soundtrack dazu: Kvelertak – Blodtørst, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.259

Robert Brack - Die Toten von St. Pauli (Ullstein, 2016)
Robert Brack – Die Toten von St. Pauli (Ullstein, 2016)

Gelesen: 09. – 16.08.2017, netto 432 Seiten.

Leider habe ich Teil 2 zuerst gelesen, aber zum Glück ist die Vorgeschichte von Kriminal-Oberwachtmeister Weber in Die Morde von St. Pauli nur kurz angerissen – das Buch blieb ausreichend spannend.

Das Lokalkolorit des St. Pauli von 1920 kommt extrem gut rüber, das Leben in den engen und dreckigen Gasse und die Grenze zu Altona (wo die Hamburger Polizei nichts mehr zu sagen hat). Dazu eine ordentlich verzwickter Kriminalfall und eine Polizist voller Zweifel und ohne festes Ziel – außer dem Gefühl für Schuld und Unschuld. Und Schuldige, die sowohl bei den Behörden, der herrschenden Klasse also auch bei denen die nix haben zu finden sind.

Die Lösung ist spannend, ein aufmerksamer Leser kommt nach 2/3 so langsam hinter die Quintessenz der Geschichte. Gut. Trotz des Labels „Historienkrimi“.

Soundtrack dazu: Damals in St. Pauli, was sonst?