Bücher, schnell gelesen: Teil 1.297

Lisa Sandlin - Ein Job für Daphne (Suhrkamp Nova. 2017)
Lisa Sandlin – Ein Job für Daphne (Suhrkamp Nova. 2017)

Gelesen: 13. – 20.01.2018, netto 344 Seiten

Hui – 61 Jahre musste Lisa Sandlin werden um ihr Debut rauszuhauen. Und das sitzt. Eigentlich ein Roman den ich bei Hard Case Crime erwartet hätte, es ist bester Retro-Pulp der 1973 im tiefsten Texas angesiedelt ist. Und das beste: Eine neuer Typ Held betritt die Bühne. Nicht der Privatdetektiv ist der Held und die treibende Kraft sondern seine Sekretärin.

Und die hört auf den großartigen Namen Delpha Wade und kommt gerade nach 14 Jahren Knast zurück in ihre Gegend. Die 14 Jahre hat sie abgesessen weil sie als Jugendliche einen Totschlag begangen hat. Das dieser an einem Kerl erfolgte der sie vergewaltigt hat zählte in Texas nicht. Zumal der Vater des Kerl, der dabei war, sich verpisste und gegen sie aussagte.

Und so lernen wir viel über das einfache Leben von jemanden der 14 Jahre nichts hatte und sich über ein ganze einfaches Zimmer freut in dem es a) ruhig ist (der Knast ist niemals ruhig) und wo b) Privatsphäre herrscht. Und dazu ist Delpha auch noch Lebensklug bzw. 14x so klug ist wie die anderen.

Klug ist auch junge Privatdetektiv Tom Phelan, so klug das er nicht nur Delpha als Sekretärin einstellt sondern auch noch seine Fälle löst. Und was so gemächlich dahin mäandert nimmt Fahrt auf und aus einem kleinen etwas wird ein ziemlich großes und fieses ganzes. Und es gibt Rache mit einem großen R.

Eine tolle Geschichte, gute Dialoge und eine hervorragende Umsetzung der Stimmung (Texas, 1973). Und spannend. Und echt ein kluger Kniff diese Heldin.

Kaufen!

Soundtrack dazu: The Rabble – The Wade Hotel, was sonst?

PS:

Und weil das Buch so viele Preise gewonnen hat (Kirkus Reviews’ Best Mysteries and Thrillers of 2015Kirkus Reviews’ Best Debut NovelKirkus Reviews’ Best Books of 2015Best First Private Eye Novel @ Shamus Awards und der Hammett Prize) ist es bei Suhrkamp Nova rausgekommen.

Und dort wurde dann zuerst der Titel verkackt (Lisa Sandlin: „“The do-right”—that’s old Southern talk for prison. Delpha Wade doesn’t want to go back there. Fourteen years is enough.„) und danach das Titelbild so richtig in die Scheiße gesetzt. Mal ab davon das es kaum Beaumont, Texas, im Jahre 1973 zeigt ist es auch noch ein modernes Auto was wir da sehen.

Und noch viel Schlimmer – es hat nichts aber auch gar nichts mit dem Buch zu tun. Das englische Original ist dagegen perfekt, spot-on (bis hin zu Delphas Narbe im Nacken) und zeigt exakt das Entscheidende in Delphas neuem Leben.

Wie kann man sowas nur so verkacken?

Lisa Sandlin - The Do-Right (Cinco Puntos Press, 2015)
Lisa Sandlin – The Do-Right (Cinco Puntos Press, 2015)

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.264

Simone Buchholz - Beton Rouge (Suhrkamp, 2017)
Simone Buchholz – Beton Rouge (Suhrkamp, 2017)

Gelesen: 29. – 30.08.2017, netto 219 Seiten.

Und wieder ein St. Pauli Krimi von Simone Buchholz und wieder ein kleiner Spass mit den Namen der Polizisten (zB Lienen, Sahin, Acolatse) und der Unsymphaten (zB Beyersdorfer). Und wieder ein ernstes Thema locker verpackt.

Was ich bei Simone Buchholz mag ist mit welcher Leichtigkeit sie viel Inhalt in kurze Kapitel packt, viele Bedeutung in wenig Worte bekommt. Und das es immer einen ernsten Kern gibt. Und der mit beiden Beinen in der Wirklichkeit steht.

Diesmal ist es „das“ Verlagshaus an der Elbe und seine Art die Kosten zu senken. Angefeuert von einer Clique, die sich aus Jugendtagen kennt. Und die zum Ziel von fieser Rache wird.

Simone Buchholz ( (c) Suhrkamp 2017)
Simone Buchholz ( (c) Suhrkamp 2017)

Und ja, die Rache ist mehr als verdient. Aber – und hier kommt der Krimiexperte nicht umhin den Hut zu ziehen – es geht nicht um die Geldfaschisten, es ist und bleibt bei fiesen Dingen immer … etwas persönliches.

Gut, schnell und voller Liebe. Klasse.

Soundtrack dazu: The Kidnappers, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.251

Adrian McKinty - Rain Dogs (Suhrkamp Nova, 2017)
Adrian McKinty – Rain Dogs (Suhrkamp Nova, 2017)

Gelesen: 14. – 17.06.2017, netto 392 Seiten

Der 5te Teil der Reihe um Detectiv Inspector Sean Duffy und wieder einer, in dem Adrian McKinty ganz hart am echten Leben schreibt: Die Stichworte sind Troubles (in Nord-Irland), Kindesmissbrauch (in den höchsten Kreisen incl. Referenz zu Jimmy Savile) und der um jeden Preis notwendige wirtschaftliche Aufschwung für Nord-Irland in den 80ern.

Zuerst hat Duffy ein Déjà-vu: Wie in „Die verlorenen Schwestern“ geschieht ein Mord in einem quasi verschlossenem Raum. Selbstmord also. Und dann nagende Zweifel. Und da Duffy einfach nicht loslassen kann guckt er immer genauer hin.

Und was einfach losgeht wird ein internationaler Fall mit vielen Toten. Und alles vor dem Hintergrund von Kindesmissbrauch. Und Duffy hängt sich rein. Und dann noch ein büschen mehr … und bekommt das ganze auch auf die Reihe (aber nicht vor Gericht). Der dazu passende Cliffhänger ist so gelungen, dass ich ihn hier natürlich nicht verrate. Einfach nur sweet!

Und coole Zitate? Nimm dieses:

Adrian McKinty ( (c) Suhrkamp Verlag 2017)
Adrian McKinty ( (c) Suhrkamp Verlag 2017)

Es bleibt einfach geiler Scheiß! Kaufen!

Soundtrack dazu: The Undertones, was sonst?