Bücher, schnell gelesen: Teil 1.258

Zoë Beck - Die Lieferantin (Suhrkamp, 2017)
Zoë Beck – Die Lieferantin (Suhrkamp, 2017)

Gelesen: 03. – 08.08.2017, netto 318 Seiten.

Manche Bücher sind einfach gut, weil sie eine clevere Idee komplett durchspinnen. Die Lieferantin schafft das gleich doppelt: Zum einen wird durchgespielt wie Technologie (hier: Drohnen) einen etablierten Geschäftszweig (hier: Drogenhandel) bedrohen bzw. neue Strukturen schaffen. Zum anderen wird durchgesponnen wie eine winzig kleine Änderung am Fluss der Dinge ein unfassbar große Wirkung hat.

Die erste Idee ist der Krimi-Teil des Buches und der ist mit ausreichend Street-Credibility und Detail in London und Edinburgh unterwegs. Dazu wird noch ein Hauch Brexit (und, coole Idee Druxit) gereicht. Die zweite Idee macht das Buch zu einem unglaublich spannenden Nummer: Mann ließt sich quasi entlang des ripple-effects, zuerst subtil und dann ehr so mit dem großen Werkzeug (hier: Killer).

Dazu kommt dann noch eine gute Aussicht auf das Thema Drogenpolitik und Politiker und ihre … Lügen.

Klasse Buch, mehr solche Ideen bitte!

Soundtrack dazu: The Sect – Drugsville, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.221

Joe Ide - IQ (Suhrkamp, 2016)
Joe Ide – IQ (Suhrkamp, 2016)

Gelesen: 17. – 19.01.2017 netto 379 Seiten

Cooler Scheiss, seit Megacool von Jess Mowry hab ich keinen so coolen Einblick mehr in die Welt von Crips, Bloods und Rap gehabt – dazu das ganze als eine etwas andere Detektiv Story, passt!

IQ (Isaihah Quintabe) ist ein Deduktions-Detektiv und nutzt seine deduktiven Fähigkeiten um den Menschen in seinem Hood zu helfen. Das Buch erzählt dabei sowohl die Geschichte von IQ, der nicht über den Tod seines großen Bruders hinauskommt, als auch die Story des Rap Stars Cal aka Murder One, der nicht mehr aus seinem Haus herauskommt (zum einem weil er bedroht wird, zum anderen weil er eine mächtige Klatsche hat).

Das Vor und Zurück zwischen beiden Geschichten ist gut getaktet (wenn auch manchmal verwirrend), die Story um den Rapper wächst sich nicht nur zu einem irren Kampf mit einem durchgeknallten Killer (der gerne mal einen 60 KG Pitbull als Mordwaffe einsetzt) sondern – natürlich – zu einem Epos um Liebe und Verrat. Dazwischen der kleine und kluge Detektiv IQ, der viel mehr drauf hat als alle denken.

Super! Viel Humor, ordentlich Gewalt und durchgeknallte Figuren – cooles setting, cool gemacht. Lesen!

Soundtrack dazu: Ho99o9, was sonst?

PS: Herausgegeben von Thomas Wörtche und übersetzt von der wunderbaren Conny Lösch – zwei Qualitätsmerkmale!

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.202

William Shaw - History of Murder (Suhrkamp, 2016)
William Shaw – History of Murder (Suhrkamp, 2016)

Gelesen: 22. – 24.10.2016 netto 452 Seiten.

Im letzten Band wurde Detective Sergeant Cathal Breen angeschossen – die findet er bei seiner inzwischen aus dem Polizeidienst ausgeschiedenen Kollegin Helen, die auf die Farm ihrer Eltern zurückgekehrt ist um ihnen zu Helfen.

Über der Familie und der Farm liegt der Fluch des brutalen Mordes an Helens Schwester vor 4 Jahren und so wird Breen zum Detektiv aus dem Krankenbett. Und damit nimmt die Geschichte Fahrt auf und wird groß. Und größer. Und ein Ausflug in die teilweise doch ehr dunkle englische Kolonialgeschichte. Und ehr dunkel ist ein Euphemismus.

Und dann macht es „klick“ als ein Polizist ermordet wird, nämlich genau der Polizist der an den Akten im Fall von Helens Schwester gedreht hat. Und auf eine Art, die mit dem Mord vor 4 Jahren übereinstimmt.

Dazu spinnt sich noch eine Drogengeschichte, die Liebesgeschichte zwischen Cathal und Helen und ein furioses und gewalttätiges Ende. Großes Kopfkino – die beste Szene ist ein Psychedelic Konzert im Londoner Roundhouse. Der coolste Spruch: „… du glaubst nicht das Briten solche abscheulichen Dinge tun? Du bist doch Ire, geh mal nach Hause!

Warum am Ende aber ein Cliffhanger wieder einen schwer verletzten Helden zurücklässt … das ahnt nur der Autor. Wird zur Masche und damit irgenwie unrealistisch. Dito für das „on/off“ Beziehungsdings zwischen den beiden – Entscheidungen bitte! Ansonsten aber ein schöner Blick auf die End-60er und auf das Ende des Emprire, wo Männer mit langen Haaren noch Frauen waren!

Soundtrack dazu: 3 Men and Black, was sonst?

PS: Der englische Titel „A Book of Scars“ passt mir besser als das englische „History of Murder“ im deutschen Titel.

PPS: Übersetzt von Conny Lösch, ein Qualitätsmerkmal!