Bücher, schnell gelesen: Teil 1.311

Roland Spranger - Tiefenscharf (Polar Verlag, 2018)
Roland Spranger – Tiefenscharf (Polar Verlag, 2018)

Gelesen: 29. – 31.03.2018, netto 277 Seiten

Sucht. Sucht nach Ruhm, Sucht nach Drogen, Sucht nach Bedeutung. Sucht nach Geld. Sucht nach Glück. Und was gibt es im tiefen Osten? Meth, Crystal Meth. Und You Tube statt kompetenter Videojournalismus.

Großartiges Sittengemälde aus einer Ecke Deutschland die sowas von weit weg ist und sowas von Kacke zu sein scheint: Nazis die Strohdoof sind, Nazis die mit Drogen dealen, Türsteher die Nazis verdreschen und Videojournalisten die ihren Job verlieren.

Und da tief im Osten, in diesen kleinen Orten sowieso jeder jeden kennt kreuzen sich die Linien ziemlich bald. Aber Hoffnung entsteht daraus nicht – nur Blut, Tod und Elend. Und Wut. Viel Wut. Kalt, ohne viele Worte und mit perfekter lakonischer Gewalt erzählt Roland Spranger eine Geschichte die so wahr klingt das sie einfach wahr sein muss.

Großartiger deutscher Noir-Krimi!

Soundtrack dazu: Hysterese – Three Wise Monkeys, was sonst?

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.304

William Boyle - Gravesend (Polar Verlag, 2018)
William Boyle – Gravesend (Polar Verlag, 2018)

Gelesen: 18. – 21.02.2018, netto 282 Seiten

Ja, der Polar Verlag hat da eine ziemlich gute Reihe am Start. Period. Und neben Taschenbüchern gibt es endlich auch Hardcover, das freut mein Sammlerherz.

Gravesend ist ein cooler Name für ein Buch, zu cool um ausgedacht zu sein: Es handelt sich um einen kleinen und alten Bezirk in Brooklyn, NYC.  Und dort hat Ray Boy Calabrese vor 16 Jahren einen schwulen Jungen in den Tod getrieben und damit das Leben für sich, für die Familie des Opfers und für alle anderen nachhaltig verändert.

Und als er aus dem Knast kommt will die Familie des Opfers nichts als Rache. Und ab da wird dieses Buch ein echtes Kunstwerk. Was für Helden:

Ray Boy Calabrese – ein Mörder der nichts lieber machen würde als … zu Sterben. Conway D’Innocenzio – ein Bruder auf Rache, der aber keine Rache nehmen kann. Alessandra Biagini – hat es aus Gravesend raus nach Hollywood geschafft und kommt als angehimmelte Heldin zurück (und ist nichts davon). Eugene – der durchgeknallte Neffe von Ray Boy will auch gerne ein Gangster sein und geht … den Bach runter.

Atmosphärisch schon dunkel und sehr dicht, dazu extrem nah an den Gefühlen der Charakter. Dazu mit der notwendigen Härte und dem notwendigen Elend. Denn so richtig klasse ist es in Gravesend nicht, ist ehr so run-down. Und das an allen Ecken und Enden.

Es gibt nur einen Weg und der ist down-hill. Ein Weg, der in diesem Buch dann auch mit einer wunderbaren Spannung untermalt wird – was genau passiert ist auch für den erfahrenen crime connaisseur nicht wirklich zu erraten.

Wow – das ist ein echter Hit. Nicht wirklich pure Crime sondern eine eiskalte Draufsicht auf eine kleine Gemeinde. Gravesend we are, ain’t we? Unbedingt lesen. Jetzt! Sofort!

Und was hat William Boyle so zu sagen?

Knowing how much film and music mean to you, I wanted to ask what it is the novel allows you. Money and melody aside, what is it we get from novels that we can’t get from stories told through cinematography and song?


Man, that’s a good question, and it’s something I think about a lot. 

I’m not a musician and I’m not a filmmaker (though I sometimes wish I was), so fiction is the only way I know to tell stories and the novel is my preferred form because, as much as I love tightness and economy, I also love being able to stretch my legs out. 

But as someone who is constantly consuming films and albums and books, I’d have to say it’s just more of a feeling: I live inside books the way I don’t live inside movies or albums, even favorites like Badlands and McCabe & Mrs. Miller or In the Aeroplane Over the Sea and Magnolia Electric Co. Or maybe it’s just a different kind of existence within the work. I don’t think watching films or listening to music is passive, it’s not that. 

The best books work their way into your blood in a way that’s so full, so mystical. I just read Willy Vlautin’s newest novel, The Free, and it was my life for the two days I was reading. It’s the same with other favorites – Ironweed, Jesus’ Son, The Easter Parade, The Death of Jim Loney, too many more to name. These books just hammer their rhythms into me, and I’m creating things in my mind even as a world is being presented to me. 

That’s how I feel when I’m writing too, like I’m inside of something big, like I’m tiling a world into place.

Source: http://fictionwritersreview.com/interview/it-belongs-to-the-neighborhood-an-interview-with-william-boyle/

Yep, der hat eine gute Sicht auf die Welt! Da hoffe ich dringend auf mehr und genauso sehr hoffe ich auf eine Verfilmung!

Soundtrack dazu: Mindless Self Indulgence – Revenge, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.295

Newton Thornburg - Schwarze Herde (Polar Verlag, 2016)
Newton Thornburg – Schwarze Herde (Polar Verlag, 2016)

Gelesen: 05. – 10.01.2018, netto 282 Seiten

Tja, Cutter und Bone war ja ein großartiges Sittengemälde der Californian Way of Life das nicht ganz so toll verfilmt wurde. Schwarze Herde dagegen ist ein nicht ganz so tolles Sittengemälde eines ganz anderen Way of Life in den US of A und ein ehr so ohne echten Crime Thrill.

Lustig ist aber das eine Entwicklung aus den letzten Jahren vorweg genommen wird: Ein erfolgreicher Werber verläßt die Branche um sich als Rinderzüchter auf einer Farm selbst zu finden. Und genauso wie ich jedem Ex-Werber wünsche das er mit seinem Burger- oder Kaffee-Laden pleite geht geht auch dieser Werber natürlich pleite – finanziell und mit seiner Ehe. Seine Frau verlässt ihn, ein durchgeknallter ex-Werber nistet sich bei ihm ein und seine Herde wird positiv auf Brucellose getestet.

Und von da an geht es, begleitet von ein wenig Blut &Gewalt, schön den Bach runter. Bis er auf die durchgeknallte Idee eingeht seine Herde klauen zu lassen um sie zu Verkaufen und die Versicherung zu kassieren – so als Sanierung und Startkapital (um mit seiner jungen Freundin, natürlich eine Bedienung in einer Spelunke) nach Kalifornien zu gehen.

Der kleine Crime/Thrillerfaden im Hintergrund ist leider sehr vorhersehbar und das ganze wäre besser ein weniger auf Crime aber mehr auf Melodram aufgesetztes Buch gewesen. Gut ist es wenn es das Leben auf dem Land und die Farmer beschreibt, schlecht ist es wenn es versucht ein Krimi zu sein.

Für mich das schlechteste: Der Held hat am Ende nicht einmal die Traute sich die Birne wegzublasen. Das passt nicht. Elend muss Elend bleiben. Und Elend enden.

Soundtrack dazu: Drunks With Guns – Beautiful Happiness, was sonst?