Bücher, schnell gelesen: Teil 1.282

John Niven - Alte Freunde (Heyne Hardcore, 2017)
John Niven – Alte Freunde (Heyne Hardcore, 2017)

Gelesen: 19. – 23.11.2017, netto 341 Seiten

Am Anfang denkt man es wäre eine einfache „was wäre wenn“ Geschichte und am Ende sitzt man staunend vor etwas ganz anderem.

John Niven, hat und herzlich wie immer, hat eine neues Buch rausgehauen und diesmal seziert er das obere Ende der englischen Mittelschicht und ihre ewige Furcht etwas zu verlieren, abzustürzen und die Angst vor dem Pöbel. Und er zerstört die Freundschaftsbande, die viele durch Geburtsort oder Jugendzeit entstanden glauben.

Alan hat aus seiner schottischen Heimat weit gebracht, eine Frau aus der Oberschicht geheiratet, 3 Kinder und ein großes Haus ausserhalb von London. Cooler Job, ordentlich Kohle – alles gut. Da trifft er auf einen Penner, der sich als sein alter Kumpel Craig zu erkennen gibt und mit dem es nach einer steilen Musikerkarriere so richtig bergab gegangen ist. Und will ihm helfen.

Und von da an passieren zwei Dinge: Für Craig geht es bergauf, für Alan bergab. Zuerst subtil, dann ganz offen. Leider ist Niven der perfekte Kniff misslungen das exakt in der Mitte des Buches das ganze kippt – es ist leider erst im letzten Drittel. Aber egal, alle Albträume werden war und ganz kitschig landet Craig oben und Alan … obdachlos in der Gosse. Das leider vorhersehbare Hollywood Ende ist irgendwie daneben, da hätten härtere Bandagen aufs Parkett gehört.

Dennoch eine großartige Sezierung des englischen Klassenmodels, mit ordentlich street credibility in Sachen Musik und ganz viel Bosheit.

PS: Den Absatz wo Alan bei seinen Schwiegereltern eine Fäkalienexplosion im Landsitz auslöst bitte nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln lesen – selten hat ein Autor das so perfekt und detailliert hinbekommen. Ich habe Tränen gelacht!

PS: Das englische Cover gefällt mir mal wieder besser!

John Niven - No Good Deed (Random House, 2017)John Niven - No Good Deed (Random House, 2017)
John Niven – No Good Deed (Random House, 2017)

 

Soundtrack dazu: The Rabble, was sonst?

Was sagt John selbst? Guck hier:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.277

James Lee Burke - Zeit der Ernte (Heyne Hardcore, 2017)
James Lee Burke – Zeit der Ernte (Heyne Hardcore, 2017)

Gelesen: 28.10. – 01.11.2017, netto 374 Seiten

Die Holland-Saga hat ja viel von James Lee Burkes eigener Geschichte intus, so wie in diesem 1971 erschienen Roman der Held Hackberry Holland der II. ständig einen intus hat. Der schwer Korea-Krieg geschädigte Anwalt will eigentlich seinem Vater in der Politik folgen doch der Tod eines Freundes aus dem Korea-Krieg bring ihn in die Abgründe der Lohnsklaven auf den Feldern Texas.

Und in die dazu passende Welt aus korrupten Cops mit Neigungen zum KKK, korrupten Politikern und korrupten Anwälten.

Das Buch ist lange nicht so flüssig und so weiträumig wie die späteren Folgen der Familien-Saga und vor allem die Episode aus dem Gefangenenlager in Korea ist wir ein Stachel mitten im Buch. Das Buch beschäftigt sich mit einer Sache, mit einer Liebe und mit einem Versagen – die Weite von Texas bricht das kaum auf.

Im Zusammenhang mit dem Rest der Bücher sicher ein muss, als kleines Beispiel einer eigentlich noch nicht vergangenen Zeit eine gute Mahnung – es bleibt aber eines seines Frühwerke und ein Misserfolg. Danach ging es für James Lee Burke erstmal bergab und an die Flasche, erst 1987 hatte er mit dem Dave Robicheaux Krimi „Neonregen“ seinen ersten Erfolg.

Soundtrack dazu: The Delinquents, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.270

Larry Brown - Fay (Heyne Hardcore, 2017)
Larry Brown – Fay (Heyne Hardcore, 2017)

Gelesen: 18. – 24.09.2017, netto 635 Seiten

Ein ziemlich überraschendes Buch. Und in meinem Kopfkino ein  großartiger Kontrast: Langsam zieht die Geschichte rund um die junge Fay dahin, Landschaft und Menschen im Süden der US of A werden detailliert und mit viel street-credibility beschrieben …

… und bang bringt Fay wieder jemand zur Strecke: Hart, blutig, gewalttätig. Auf der Leinwand wäre das ein perfekter Schocker – die Gewalt kommt aus heiterem Himmel. Und danach kommt wieder Landschaft, Leute und … Zeit. Viel Zeit.

Der Rhythmus dieses Buches ist einfach perfekt und die Mischung aus Road-Movie und Kill! ist einfach überzeugend. Und das Beste? Das ganze ist eine pittoreske Tour durch das White Trash America, eine Welt die ein totales Eigenleben führt. Und immer wieder WOW Effekte hervorruft.

Und Fay? Fay geht ihren Weg, zieht Männer an wie Blumen die Bienen und lässt sich auch von den daraus resultierenden Leichen nicht aufhalten. „Trailer Park Murder Queen„? Ja. Aber auch ein kleines, unschuldiges und ungebildetes Mädchen das immer mehr lernt und ihren Weg geht.

Ja, das war gut! Hoffentlich wird der gut verfilmt!

Soundtrack dazu: Isaac Hayes oder Buck Biloxi & The Fucks – was sonst?

PS: Und Larry Brown? Der ist leider viel zu früh verstorben. Ein Einblick in seine Welt …