Bücher, schnell gelesen: Teil 1.358

James Lee Burke - Dunkler Sommer (Heyne Hardcore, 2018)
James Lee Burke – Dunkler Sommer (Heyne Hardcore, 2018)

Gelesen: 21. – 25.11.2018, netto 547 Seiten

Das ist irgendwie die Komplettierung der Holland-Familien Reihe von James Lee Burke: Aaron Holland Broussard ist der Enkel von Hackberry Holland und Fremdes Land und Vater und Sohn sind die Partner zu Dunkler Sommer – und das alles ist dann eine Trilogie.

Das Buch setzt die Zeitreise entlang der Geschichte der Familie Holland fort, im Houston von 1952 trifft Aaron als 17-jähriger Schüler nicht nur auf die Liebe seines Lebens sondern auch auf eine Gesellschaft voller Spaltung: Die Mafia macht ihre Geschäfte, die Cops machen ihre Geschäfte und die Mexikaner machen ihre Geschäfte. Und wer kann, flieht. Wer zwischen Pest und Cholera nicht wählen kann meldet sich freiwillig für den Korea-Krieg (und stirbt da).

Aaron macht alles richtig, weil er ein guter Junge ist. Aber er ist auch Aufrecht und Stur – das wiederum bringt ihm Ärger mit allen ein: Der Mafia, den Copy und den Mexikanern. Ohne zuerst zu wissen warum geht es für ihn in eine Spirale der Gewalt.

Ein sehr ernstes Buch über eine Zeit die gefühlt ewig her ist – würde mich nicht wundern wenn es in den US of A irgendwie heute nicht anderes ist (Ein Land, tief gespalten).

Liebe, Hoffnung und das durchstehen der unausweichlichen Gewalt: Es gibt wohl nichts besseres für einen jungen Menschen als so eine Sozialisation – oder?

Soundtrack dazu: The Frustrators – West of Texas, was sonst?

Und was sagt James Lee Burke?

 

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.353

James Carlos Blake - Das Böse im Blut (Heyne Hardcore, 2015)
James Carlos Blake – Das Böse im Blut (Heyne Hardcore, 2015)

Gelesen: 03. – 12.11.2018, netto 439 Seiten

Kein Krimi, ehr ein Zwitter: Entweder die Geschichte zweier Brüder, die den Westen erobern wollen und auf zwei Seiten der Geschichte landen. Oder aber ein Geschichtsuntericht, unter welchen Umständen sich die US of A den westlichen Teil von Texas und die heutigen Staaten Arizona, Kalifornien, Nevada, Utah sowie Teile von Colorado, New Mexico und Wyoming unter den Nagel gerissen haben.

Face value haben die US of A dafür damals 15 Mio $ bezahlt, in Wahrheit war es ein endloses Morden, Schlachten und Sterben.

Fun Fact:

Sobald Taylors Armee den Rio Grande erreicht hatte, begannen Soldaten zu desertieren und über den Rio Grande zu fliehen. Dies wird oft auf Ermunterung durch die Mexikaner zurückgeführt, hatte seinen Grund aber eher in der Fluchtmöglichkeit auf feindliches Gebiet. 

Der Dienst in der Armee war beschwerlich, sozial nicht hoch angesehen und schlecht bezahlt. 
Insgesamt verloren die Vereinigten Staaten 12.876 Mann, 11.155 davon durch Krankheiten.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mexikanisch-Amerikanischer_Krieg

Und in dieser Welt landen Edward und John Little auf der Suche nach Land in Texas, nachdem ihre Familie in Florida aufgrund einer durchgeknallten Mutter und einem gewalttätigen Vater implodiert ist. Und geschult durch Gewalt, ziehen sie eine Spur der Gewalt mit sich nach Westen, ehe sie getrennt werden und jeweils noch größerer Gewalt unterliegen.

Alles in diesem Buch ist real, realistisch und verdammt dreckig: Sterben ist dreckig. Töten ist dreckig. Überlegen kostet dich alles. Und du bist bereit den Preis zu bezahlen. Und einen geraden Weg, den gibt es nicht. Nur Zufälle die dich in eine Richtung schubsen.

John wird Soldat der US Armee und zieht gegen Mexiko in den Krieg, nur um bei der ersten Gelegenheit zu desertieren und Teil der mexikanischen Armee zu werden. Edward wird Bandit und überfällt alles in Texas, was sich nicht zu verteidigen weiß. Vor allem aber Indianer, da es für jeden Skalp Geld gibt. Nur um am Ende mit seiner Banditentruppe bei der US Armee zu landen, weil sie sich in der Gegend nun mal besser auskennen und das Morden einfach so nebenbei erledigen.

In einem großen Finale (das entlang echter historischer Ereignisse erzählt wird) treffen beide in einer blutigen Schlacht aufeinander. Am Ende wird der eine Bruder den anderen beerdigen und damit alle Hoffnung fahren lassen.

Eine großartige Geschichte die mit jedem edlen Western Klischee aufräumt. „The Birth of a Nation is a bloody gory exercise“ hat mal jemand gesagt, hier ist der Leser live dabei.

Nichts für zarte Seelen, die an das Gute glauben.

Menschen werden erschossen, erschlagen, erstochen, kastriert, ausgeweidet, gepfählt, lebendig gehäutet, erhängt, skalpiert, gevierteilt, geopfert und in die Luft gesprengt. Die sexuellen Perversionen reichen von Vergewaltigung und Inzest zu Sodomie und Nekrophilie.

Soundtrack dazu: Hola Ghost – Mexico, was sonst?

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.352

Alan Parks - Blutiger Januar (Heyne Hardcore, 2018)
Alan Parks – Blutiger Januar (Heyne Hardcore, 2018)

Gelesen: 29.10. – 02.11.2018, netto 386 Seiten

Ich habe Freunde in Glasgow und die haben mir Fotos aus den frühen 70ern gezeigt: Glasgow war alles andere als eine bunte und einladende Stadt – es war grau und dunkel. Elend.

Und in diesem Elend versucht die Polizei das beste zu machen: Nach oben buckeln und den Reichen ihr warmes Plätzchen freihalten und nach unten anbiedern, um von den Gangstern ein wenig vom Kuchen ab zubekommen.

Das feine Gleichgewicht kommt ins Wackeln als ein junger Kerl auf offener Straße erst ein Mädchen erschießt und dann sich selbst. Die Tat selbst ist offensichtlich, vor allem weil die Polizei vor Ort war: Detective Harry McCoy hatte am Tag vorher die Tat von einem Gefängnisinsassen vorausgesagt bekommen und konnte sie nicht verhindern.

Daraus entspinnt sich ein wunderbar harter, düsterer und in allen belangen hoffnungsloser Noir Krimi. Die einzige Hoffnung für McCoy wird durch das aufkommende Heroin zerstört, die junge Prostituierte in die er sich verliebt hat kommt daran um. Und in diesem Elend ist er der einzige der nicht aufhört nach dem warum zu fragen, vor allem weil alle Spuren zu reichsten Familie im Ort führen, mit der er sich schon einmal ohne Erfolg angelegt hat.

Ein großartiges und dunkles Buch, das ein Glasgow zeigt das wie aus einer anderen Welt scheint aber erst 45 Jahre her ist. Blutig, gewalttätig, frauenverachtent und ohne jede Hoffnung.

Zum Glück kommt da eine ganze Serie, das wird cool. Und übersetzt von der wunderbaren Conny Lösch, das ist ein Qualitätsmerkmal!

Soundtrack dazu: The Jolt – Youre Cold, was sonst?

PS: Und so sah das damals aus …