Bücher, schnell gelesen: Teil 1.343

Donald Ray Pollock - Die himmlische Tafel (Heyne Hardcore, 2018)
Donald Ray Pollock – Die himmlische Tafel (Heyne Hardcore, 2018)

Gelesen: 06. – 09.09.2018, netto 422 Seiten.

Ein putziger Western der ein Krimi ist. Oder ein Krimi, der mit Western-Helden durchsetzt ist. Oder einfach ein Buch über das Elend der Landbevölkerung in den US of A 1917: Die Zeit der Cowboys geht vorbei, die Zeit der Pferde ist vorüber und die jungen Männer werden auf die Schlachtfelder des ersten Weltkriegs vorbereitet.

In dieser Welt brechen drei Brüder aus der sklavenartigen Landarbeit aus und machen sich auf ihre eigene Revolutionsreise. Ihr Alter ist tot umgefallen, nicht ohne jedoch seinen religiösen Wahn in die 3 (einer clever, einer gaga und einer einfach nur doof) injiziert zu haben: Ziel ist die himmlische Tafel – das aber auf Erden. Und dafür rauben und morden sie sich durch Ohio.

Ein herrliches Sammelsurium an durchgeknallten und brutalen Irren, an Loosern und Einfaltspinsel, Großkotzen und Kotzbrocken. Ein endloses Panoptikum von Hunger, Tod, Armut, Krankheit und gesellschaftlichen Klassenschranken.

Und von Menschen, die immer noch jemanden finden auf den sie runterspucken können um sich selbst zu erhöhen. Auch das ist ja heute nicht unüblich.

Bestes Zitat:

Die größte Enttäuschung seines bisherigen Lebens war, nun ja, sein bisheriges Leben; und wie so viele andere weißen Nichtsnutze, glücklose Einfaltspinsel und von Verfolgungswahn geplagte Irre war auch er davon überzeugt, dass die schwarze Rasse die Schuld an seinem jämmerlichen Versagen trug

Nicht wirklich ein Noir-Krimi, ehr eine Dokumentation einer Area. Oder die Vorhersage einer Welt, die dann tatsächlich kam.

Soundtrack dazu: The Endtables – They’re Guilty, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.342

Donald Ray Pollock - Knockemstiff (Heyne Hardcore, 2015)
Donald Ray Pollock – Knockemstiff (Heyne Hardcore, 2015)

Gelesen: 04. – 05.09.2018, netto 243 Seiten.

Knockemstiff gibt es tatsächlich. Das ist die erste Überraschung nach dem Lesen. Denn in dieser Sammlung von Kurzgeschichten aus den White-Trash-Trailer-Park-US of A gibt es alles: Inzucht, Mord, Drogen und jede Menge beschränkte Horizonte.

Eines gibt es aber nicht: Hoffnung. Niemals. In den 50ern nicht. In den 60ern nicht. In den 80ern schon garnicht. Und in den 90ern immer noch nicht. Und wenn sowas wie ein kleine Fünkchen Hoffnung aufkommt dann kommt jemand mit großen Stiefeln daher und tritt es aus, killt es oder macht noch bessere Dinge damit.

Wunderbar und jede einzelne Geschichte die perfekte Vorlage für einen Horror-Movie Trailer. Wäre auch mal eine Art der Verfilmung!

Soundtrack dazu: Necros, was sonst?

PS: Knockemstiff in seiner ganzen Pracht…

(c) DRP/Doubleday 2008
(c) DRP/Doubleday 2008

 

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.035

Donald Ray Pollock - Das Handwerk des Teufels (Heyne Hardcore, 2013)
Donald Ray Pollock – Das Handwerk des Teufels (Heyne Hardcore, 2013)

Gelesen: 24.02. – 02.03.2014, netto 298 Seiten.

Die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Aber sie stirbt.

Einen besseren Sinnspruch habe ich lange nicht auf einem Buch gesehen – die Geschichte die Donald Ray Polllock hier in den frühen 60er Jahren im ländlichen Ohia spinnt kommt mit einfacher Sprache, einfachen Geschichten und ohne viel Pathos daher.

Wie in einer ruhigen Kamerafahrt beobachten wir eine vielschichtige und in unterschiedlichen Zeitsträngen dargebotenen Geschichte in der das Böse langsam, sicher und ganz deutlich einsickert. Ständig ist dabei von Gott und Gottesfurcht zu lesen doch in diesem Buch ist es alles wie im echten Leben – es gibt keinen Gott der dich erlöst, das erledigen nur die Bösen. Und bei genauem Hinsehen ist das ganze Land eigentlich eine Müllhalde. Für Arsch. Abgewarzt.

Klasse Geschichte, in der am Ende alles Böse miteinander kollidiert und den ganzen Film in Flammen aufgehen lässt. Man, das wäre ein cooler S/W Film, bin gespannt wer sich da ran traut.

Soundtrack dazu: Necros, was sonst?