Bücher, schnell gelesen: Teil 1.319

Hideo Yokoyama - 64 (Atrium Verlag, 2018)
Hideo Yokoyama – 64 (Atrium Verlag, 2018)

Gelesen: 20.04. – 07.05.2018, netto 753 Seiten

Was für Brocken! Mal ab davon, das dieses Buch alleine wegen seiner Gestaltung ein „Mitnehmer“ ist – es ist auch noch eine kleine und extrem tiefe Geschichte aus dem japanischen Polizeiapparat.

Das ganze ist sicher nicht für Leute die Tempo brauchen. Zwischendurch ging auch mir die Kleinteiligkeit, die Detailriefe und das langsame Tempo durchaus auf den Sack. Aber wenn der Leser sich darauf einlässt und das Kopfkino anschaltet dann ist das eine Geschichte die – trotz der geringen Anzahl der handelnden Person und der geringen Streuung der Geschichte – ganz groß ist.

Und dann bekommt man nicht nur einen gut gemachten Krimi sondern einen ganz tiefen Einblick in die Gesellschaft, in die institutionalisierten Abhängigkeiten und in die ungebrochene Obrigkeitshörigkeit in Japan. Und die alte Weisheit das Gesicht waren vor Wahrheit kommt.

Tolles Buch das aber mit viel Mut gelesen werden muss.

Soundtrack dazu: Gasatsu – OK, was sonst?

PS: Ich bin ja sehr wählerisch bzw. empfindlich was Cover und Gestaltung angeht. Dem Atrium Verlag und den Gestaltern dieses Buch aber ein ehrliches Chapeau! Hier passt alles und es ist ein echter Hingucker von Brocken…

So sehen gut gestaltete Bücher aus!
So sehen gut gestaltete Bücher aus!

 

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.117

Sam Millar - Die kalte Kralle (Atrium Verlag, 2014)
Sam Millar – Die kalte Kralle (Atrium Verlag, 2014)

Gelesen: 24. – 26.07.2015, netto 291 Seiten.

Im inzwischen dritten Band um den hardboiled Detektiv Karl Kane geht es wieder brutal, fies und einfach lakonisch gewalttätig daher. Belfast Style.

Der Hintergrund ist erst unappetitlich (eine abgetrennte Hand findet sich auf seiner Türschwelle), dann „normal fies“ und am Ende ziemlich geschickt „modern“ – aus einer einfachen Sache wird eine ganze fiese Nazi-Nummer.

Keine blöden Cliffhänger oder falschen Fährten sondern Tempo, Witz und die notwendige Portion Realität – wieder ein Klasse Buch von Sam Millar, der eben so seine eigenen Erfahrungen mitbringt. Passt!

Soundtrack dazu: Four Idle Hands – was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.107

Sam MIllar - True Crime (Atrium Verlag, 2015)
Sam MIllar – True Crime (Atrium Verlag, 2015)

Gelesen: 21. – 25.05.2015, netto 402 Seiten.

„True Crime“ ist ein etwas doofer Titel – im Original ist das als „On the Brinks“ schon ein wenig smarter. Um echte Kriminalität geht es jedoch tatsächlich, wenn auch auf eine sonderbare Weise.

Sam Millar, Schöpfer des großartigen Anti-Helden Karl Kane, ist nämlich kein gelernter Krimiautor. Wie viele Nordiren ist der durch den „Bloody Sunday“ radikalisiert worden und landete als IRA-Aktivist im Hochsicherheitsknast Long Kesh, wo er unter anderem an den Blanket Protests teilnahm.

Nach seiner Freilassung 1984 hat er Nordirland in Richtung US of A verlassen um dort in NYC ein neues (wenn auch nicht ganz so legales) Leben anzufangen. Mit Kumpels kam er dann auf die Idee, die Werttransportfirma Brinks zu berauben, die ein schlecht bewachtes Depot voller Geld ihr eigen nannte. 7,4 Mio$ wechselten den Besitzer ohne viel Mühe und am Ende wurde Sam (natürlich) erwischt. Aufgrund von juristischen Spitzfindigkeiten konnte er nur locker verknackt werden und wurde zurück nach Nordirland abgeschoben, wo er den Rest der Starfe absitzen musste. Dannach wurde er Krimiautor. Und zwar ein Guter.

Warum das ganze so Lesenswert ist? Zum einen, weil er eine packende Geschichte daraus gemacht hat. Zum anderen, weil er die Gnadenlosigkeit mit der die Briten in Nordirland alles verfolgten was nicht „Loyal“ war ebenso Gnadenlos erzählt. Aus der Sicht des Häftlings, der schlicht und einfach gefoltert wurde.

Großes Kino, große Sache. Das mit den Troubles (eine typisch englische Verniedlichung!) und was diese aus den Menschen machen ist dann auch der True Crime an der ganzen Sache.

Pflichtlektüre.

Soundtrack dazu: Stiff Little Fingers, was sonst?