Bücher, schnell gelesen: Teil 1.255

Salvio Incorvaia - Der klassische Punk (Klartext, 2017)
Salvio Incorvaia – Der klassische Punk (Klartext, 2017)

Gelesen: 24.- 27.07.2018, netto 529 Seiten.

Schwere Kost, da eine Promotionsarbeit im Fachgebiet Geschichte die Grundlage war. Ein angehender Dr. beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Geschichte des Punk in Düsseldorf und auf der Ratinger Straße im speziellen.

Das gute: Die wissenschaftliche Arbeit fußt auf der Technik der „Oral History“ und damit kommen Protagonisten der Zeit zu Wort. Dazu wird der Werdegang dieser Protagonisten detailliert beschrieben: Wie sind sie aufgewachsen, wie wurden sie sozialisiert, was haben sich nach der Punk Zeit gemacht. Das ist klasse und deckt sich in Teilen mit meiner eigenen Geschichte rund um „Punk Rock“.

Das schlechte: Das ganze beruht letztendlich auf der Erinnerung von nur 10 Leuten. Das erscheint mir ein büschen knapp. Und die Erinnerung nimmt (wohl aufgrund des wissenschaftlichen Charakters) zu wenig Platz ein (für meinen Geschmack). Dazu übersieht der Autor, das die „klassische“ Punk Generation eben gerade dann in Auflösung geriet als für viele Entscheidungen wie Arbeit, Familie etc. anstanden. Die Zerfaserung in den Mainstream (und Subgenres) kommt erst danach.

Was bleibt? Es ist nicht so flüssig zu lesen wie zB „Please Kill Me“ oder andere Bücher aber das hat eben mit der Natur der Promotionsarbeit zu tun. Dennoch kommt Salvio zu einigen Thesen die ich glatt unterschreiben würde:

Der klassische Punk war eine eigenständige Subkultur von 1977-1983 und die „Generation 1978“ war voller Sehnsucht nach einer individuellen und attraktiven Protestkultur und traf auf den britischen Punk Rock. Und es machte „Zoom“.

Punk war in erster Linie Musik und wurde über das Radio (incl. John Peel auf BFBS) und die Musikzeitschriften an die Jugend transportiert. Platten waren Schätze, die es zu heben galt und begehrte Sammlerobjekte (weil rar).

Wer 1976 oder 1977 als Schüler in England und speziell in London war lief große Gefahr direkt infiziert zu werden – so kräftig war Punk als (Musik-)Jugendkultur in England.

Und natürlich 1.000 Dank für die wissenschaftliche Bestätigung einer Tatsache, die wir Hamburger schon immer großspurig vor uns her trugen:

Salvio Incorvaia - Der klassische Punk ((c) Klartext Verlag 2017)
Salvio Incorvaia – Der klassische Punk ((c) Klartext Verlag 2017)

Ist das Buch Plicht? Nein, sicher nicht – dazu ist es teilweise zu sperrig. Aber wenn mann offen für einen interessierten Blick in eine wissenschaftliche Arbeitsweise ist, ja, dann ist es lesenswert.

Soundtrack dazu: Charlies Girls, was sonst?

Und im Hintergrund läuft das:

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