Bücher, schnell gelesen: Teil 1.336

James Lee Burke - Weisses Leuchten (Pendragon, 2017)
James Lee Burke – Weisses Leuchten (Pendragon, 2017)

Gelesen: 03. – 09.08.2018, netto 496 Seiten

Im Original hat James Lee Burke dem Buch eine absolut genialen Titel gegeben: „A stained white radiance„. Das ist wörtlich „ein fleckiger weißer Glanz“ und natürlich ein denkbar ungeeigneter Titel in Deutsch. Aber „Weisses Leuchten“ ist dann einfach auch viel zu kurz gegriffen, weil es im Buch durchgehend den Hintergrund von White Supremacy gibt und James Lee Burke eben dieses äußerst hässliche Weiß meinte.

Es ist Band 5 der Dave Robicheaux Serie und Dave ist mal wieder Detektive beim Sheriff des Iberia Parish. Über diesen freundlichen Flecken schreibt Wikipedia folgendes:

Relations between whites and blacks were troubled after the Civil War, as whites sought to dominate freedmen, by violence and intimidation if necessary. 

The period after the Reconstruction era was one of increasing violence through the early part of the 20th century. 

In this period, Iberia Parish had 26 lynchings of African Americans by whites, part of racial terrorism.

Und in dieser Gesellschaft hat auch Dave Beziehungen, unter anderem auch zur Familie des Öl-Magnaten Weldon. Und ein Anschlag auf die Familie bringt Dave, der mal wieder nicht loslassen kann, in das große Spiel um Geld, Macht und die Spieler hinter den Kulissen: Junge Mafiosi (mit alten Rechten von der Mafia beliehen) und alte KKK-Anhänger (die sich heute im neue  Gewand zeigen). Am Ende bleiben es Arschlöcher aber diese Arschlöcher machen Dave den Job zur Hölle.

Am Ende bleibt es eine Familiengeschichte, aber da die Familie nicht drüber sprechen will gibt es reichlich Opfer. Und Dave ist das größte Opfer – er nimmt sich (mal wieder) eine Auszeit von der Polizeiarbeit.

Wie immer bei James Lee Burke eine Runde Sache und insbesondere der beiläufige Blick auf die stainded white radiance macht die Sache so intensiv.

Soundtrack dazu: Shit Dogs – Don’t hide the Razorblades, was sonst?

Bonus:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.335

James Lee Burke - Schmierige Geschäfte (Pendragon, 2017)
James Lee Burke – Schmierige Geschäfte (Pendragon, 2017)

Gelesen: 26.07. – 02.08.2018, netto 471 Seiten

Ein weiteres Buch das ich schon habe: Seit Anfang der 90er steht bei mir die ehr billige Ullstein-Taschenbuch Ausgabe rum (und ist arg zerlesen). Der Pendragon Verlag bringt ja die Dave Robicheaux Krimis neu heraus, also hab ich mir die Neuauflage gegönnt.

Es ist der logisch 3te Band der Serie und ist für mich ein wunderbar dichtes Meisterwerk. Dave ermittelt abseits der Bayous und in eigener Sache. Ein alter Kumpel hat ihn in was reingezogen und immer noch tief frustriert über den Mord an seiner Frau hat sich beim Versuch seine kleine Idylle zu verteidigen eine Mordanklage eingehandelt.

Um diese loszuwerden muss er nach Montana und versuchen den einzigen Belastungszeugen (der den Mord wohl selbst verübt hat) zum Reden zu bringen.

Das ganze ist ein perfekter Hardboiled Krimi, mit einem coolen Setting in Montana: Windige Ölgeschäfte, aufbegehrende Indianer und profitwitternde Mafiosi sind seine Begleiter. Und der eine und andere Knochen wird auch gebrochen.

Toll ist das Buch immer da wo Dave versucht wieder ein normales Familienleben zu führen … und irgendwie scheitert. Natürlich gibt es am Ende ein Happy End aber eben auch einen weiteren Kratzer auf der Seele von Dave.

Und das Ding ist wirklich nie verfilmt worden? Unfassbar!

Soundtrack dazu: The Skoidats – Last Night, was sonst?

Die 92er Version auf Ullstein hat ein so richtig verkacktes Cover:

James Lee Burke - Black Cherry Blues (Ullstein, 1992)
James Lee Burke – Black Cherry Blues (Ullstein, 1992)

PS: Und in diesem Zusammenhang dann noch eine unappetitliche Fundsache über Wertschätzung und Entlohnung von Übersetzern … dabei sind die so wichtig und entscheiden letztendlich über die Qualität eines Buches. Grrrr….

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.334

Ellroy, Hyman, Matz, Fincher - Black Dahlia (schreiber & leser, 2015)
Ellroy, Hyman, Matz, Fincher – Black Dahlia (schreiber & leser, 2015)

Gelesen: 24. – 25.07.2018, netto 161 Seiten

1988 hat mich „Die schwarze Dahlie“ von James Ellroy dazu gebracht eigentlich nur noch Krimis zu lesen. Es ist ein ganz wunderbares Buch, das bei mir das volle Kopfkino gezündet hat. Seit dem ist James Ellroy definitiv einer meiner Lieblingsautoren (und hiermit jedem ans Herz gelegt).

Ich hab eine Zeit lang auch jede Menge Comics gelauft und gelesen, das allerdings habe ich irgendwann aufgegeben da ich gegen die Flut nicht ankam. Platten und Bücher reichen mir jetzt um glücklich zu sein.

Dennoch bin ich über diese Comic-Adaption der Black Dahlia gestolpert und als alter Ellroy Fan habe ich sie mitgenommen. Die Geschichte selbst ist ja bekannt, die Frage ist ob sie mit Hilfe von Bildern und wenig Text auch so gut rüberkommt. Und, quelle surprise, es funktioniert tatsächlich.

Die Illustrationen von Miles Hyman sind sehr schön LA Noir, fast wie auf einem alten und leicht unscharfen Farbfilm. Dazu haben Matz (Alexis Nolent) und David Fincher das ganze auf die wesentlichen Punkte und Texte reduziert. Wie auch bei einer Verfilmung hilft es natürlich wenn man das Buch gelesen hat.

Gute Arbeit.

Soundtrack dazu: The High Numbers – Zoot Suit, was sonst?

Zum Thema Zoot Riots: