Bücher, schnell gelesen: Teil 1.258

Zoë Beck - Die Lieferantin (Suhrkamp, 2017)
Zoë Beck – Die Lieferantin (Suhrkamp, 2017)

Gelesen: 03. – 08.08.2018, netto 318 Seiten.

Manche Bücher sind einfach gut, weil sie eine clevere Idee komplett durchspinnen. Die Lieferantin schafft das gleich doppelt: Zum einen wird durchgespielt wie Technologie (hier: Drohnen) einen etablierten Geschäftszweig (hier: Drogenhandel) bedrohen bzw. neue Strukturen schaffen. Zum anderen wird durchgesponnen wie eine winzig kleine Änderung am Fluss der Dinge ein unfassbar große Wirkung hat.

Die erste Idee ist der Krimi-Teil des Buches und der ist mit ausreichend Street-Credibility und Detail in London und Edinburgh unterwegs. Dazu wird noch ein Hauch Brexit (und, coole Idee Druxit) gereicht. Die zweite Idee macht das Buch zu einem unglaublich spannenden Nummer: Mann ließt sich quasi entlang des ripple-effects, zuerst subtil und dann ehr so mit dem großen Werkzeug (hier: Killer).

Dazu kommt dann noch eine gute Aussicht auf das Thema Drogenpolitik und Politiker und ihre … Lügen.

Klasse Buch, mehr solche Ideen bitte!

Soundtrack dazu: The Sect – Drugsville, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.257

Estelle Surbranche - So kam die Nacht (Polar Verlag, 2017)
Estelle Surbranche – So kam die Nacht (Polar Verlag, 2017)

Gelesen: 31.07. – 02.08.2018, netto 326 Seiten.

Frankreich! Wow! Was für eine schöne Überraschung. Und was für eine geile Story …

… was würdet ihr machen, wenn ihr Koks in bester Qualität (also unverschnitten) am Strand findet und realisiert das ihr nicht nur quasi Bargeld gefunden habt sondern auch noch Treibstoff für das eigene Ego? Runterschlucken und die Cops anrufen? Oder reinschniefen und wie eine Rakete abgehen?

Vor dieser Frage stehend entscheiden sich zwei Studenten aus Paris leider viel zu schnell und ohne alles zu durchdenken. Die Frage, ob jemand das Zeug vermisst kommt ihnen nicht in den Sinn. Und die Frage, ob die Polizei sich irgendwie interessiert auch nicht. Und so haben sie mehr Probleme an der Backe als sie aushalten können:

Eine Killerin der Drogenmafia die ihre Oper sehr gerne quält. Und zwar so richtig. Böse. Und eine Polizistin die einfach nicht loslässt. Und eine veritable Drogensucht, die das Ego und die Umgebung zerstört.

Im Film würde mann sagen „…zogen eine Spur der Verwüstung hinter sich her“ und das trifft es ganz gut. Großartige Story, ordentlich erzählt und ausreichend lakonisch und brutal. Extrem brutal.

Geiler Scheiss, Surf’s up Motherfucker!

Soundtrack dazu: Mark Broadie & The Beaver Patrol, was sonst? Oder doch Les Arondes? Your choice!

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.256

Tom Bouman - Auf der Jagd (Ars Vivendi, 2017)
Tom Bouman – Auf der Jagd (Ars Vivendi, 2017)

Gelesen: 28.- 31.07.2018, netto 278 Seiten.

Hinterwäldler killen oder Killer Hinterwäldler? Am Arsch der Welt in Pennsylvania, oben im Nord-Osten, leben Farmer und Einzelgänger sowie durchgeknallte ihr einfaches und hartes Leben. Dahin und damit in seine Heimat zieht sich auch der Henry Farrell zurück (ein ex-GI der seine Frau verloren hat) um als einfacher Police Officer zu überleben.

Mit viel Liebe zum Detail und viel Lokalkenntnis beschreibt Tom Bouman den Menschenschlag dort und was die Gas-Industrie dieser armen Gegend mit dem Fracking angetan hat (nämlich arme Menschen reich gemacht ohne einen gerechten Preis zu bezahlen). Und vor diesem Hintergrund wird aus einzelnen Leichen eine Mordserie. Und wie Henry dieser mit stoischer Geduld und Rücksicht auf die Menschen in seiner Gemeinde auf den Grund geht – das ist das großartige an diesem Buch.

Es ist ausreichend Böse und Brutal (obwohl es für meinen Geschmack noch plastischer sein könnte) und kommt mit wunderbaren Landschafts- und Naturbeschreibungen daher. Und erklärt auch noch wie mann sich in den Wäldern an den Bergrücken verhalten sollte.

Die Crime-Story ist schön komplex und voller falscher Fährten, Tom verleitet den Leser großartig auf diese. Und nimmt dann ganz elegant die nächste Wende. Cool. Echt cool. Nicht ganz so heavy wie Benjamin Withmer, aber ähnlich gut!

Das beste: zwei weiter Bücher rund um Henry Farrel hat Tom Bouman schon in Arbeit. Das schlechte: „Dry Bones in the Valley“ klingt als Titel irgendwie besser, zumindest in meinen Ohren.

Soundtrack dazu: Mose Giganticus, was sonst?